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| Mit Napoleon Europa erobern |
Die Berlinerin Alexandra Maria Lara drehte mit Depardieu
- jetzt arbeitet sie mit Doris Dörrie
Von Torsten Wahl, Berliner Zeitung, 24.10.2001
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"Diese Berlinerin muss mit Depardieu
ins Bett!" Immer wieder liest Alexandra Maria Lara
kopfschüttelnd den Artikel aus , der "B.Z.".
Sie entscheidet sich endlich, die paar Zeilen komisch
zu finden, denn allein die Vorstellung, der riesige Depardieu
könne den kleinwüchsigen Napoleon spielen, ist
einfach zu absurd. Die Berlinerin stand in den vergangenen
Wochen zwar tatsächlich als Napoleons Geliebte Maria
Walewska vor der Kamera. Doch Napoleon wurde von Christian
Clavier verkörpert. Und statt Bettszenen gab
es versteckte Blicke beim Maskenball.
Mit dem Auftritt beim "Napoleon" wird Alexandra
Maria Lara ein internationales Publikum erobern. Der 80
Millionen Mark teure TV Vierteiler wird nächstes
Jahr europaweit ausgestrahlt. Neben Christian Clavier,
in der Titelrolle spielen Stars wie Isabella Rossellini,
John Malkovich und Gerard Depardieu (als Polizeiminister
Fouché).
Größere Rollen bekamen auch Heino Ferch, Sebastian
Koch, Mavie Hörbiger und Marie Bäumer. Alexandra
Maria Lara spielt die polnische Gräfin Maria Walewska,
die mit Napoleon ein Kind hat und beim Franzosenkaiser
für die Unabhängigkeit ihrer Heimat wirbt.
Vor mehr als 50 Jahren verkörperte schon Greta Garbo
die Walewska.
Alexandra Maria Lara hat gezögert, sich den Film
anzusehen, es dann aber doch getan.
Von den Dreharbeiten in Frankreich, Tschechien und Ungarn
schwärmt die 22 Jährige wie von einem Traumurlaub.
Trotz der Gigantomanie des Projekts sei die Atmosphäre
am Set sehr intim und freundschaftlich gewesen. Die Stars
wären kollegial, offen und respektvoll
mit ihr umgegangen: "Monsieur Depardieu kam sogar
an seinem drehfreien Tag vorbei, um sich vorzustellen."
Im Übrigen sei er "sehr groß, sehr laut
und sehr lustig".
Auch wenn sich im nachhinein alles leicht anhört
- die Dreharbeiten erforderten hohe Konzentration. Jede
Einstellung musste erst in Französisch, dann in Englisch
aufgenommen werden. Alexandra Maria Lara beherrscht beide
Sprachen.
Ihre Muttersprache Rumänisch hat sie für Dreharbeiten
dagegen noch nie gebraucht.
Die Familie kam nach Berlin, als Alexandra vier Jahre
alt war. Ihr Vater Valentin Platareanu,
in Rumänien ein Theaterstar und Direktor' des Bukarester
Komödien Theaters, hatte mit einem Tagesvisum und
100 Dollar im Westen den Neuanfang gewagt.
Tochter Alexandra lernte Deutsch mit der "Sesamstraße",
ihrer ersten Farbfernsehsendung. Valentin Platareanu baute
die Theaterwerkstatt Charlottenburg auf, eine staatlich
anerkannte Schauspielschule.
Alexandra bekam als Schülerin erste Fernsehrollen,
stand mit 16 Jahren fast 100 Tage lang für die Hauptrolle,
der ZDF Serie "Mensch, Pia!" vor der Kamera.
Lehrer und Mitschüler machten es ihr zwar nicht leicht,
doch sie setzte sich durch, machte ihr Abi und ging für
drei Jahre in der Theaterwerkstatt ihres Vaters in die
Lehre. In den nächsten Tagen beginnen die Dreharbeiter
des neuesten Films von Doris Dörrie.
Valentin Platareanu, der wegen seines Akzents heute meist
Ausländer spielt, etwa im Kinofilm "Berlin Is
In Germany", vergleicht seine Tochter mit einem Chamäleon
"Alexandra hat ein einmaliges Talent, in die Rollen
zu schlüpfen. Sie tritt nicht theatralisch auf, sondern,
arbeitet mit sehr feinen Mitteln." Zu Hause muss
er zwar manchmal die Körperhaltung seiner Tochter
korrigieren beim Spielen aber sei alle Nachlässigkeit
verschwunden. Mit seinem Lob steht der Vater nicht allein
da: Alexandra Maria Lara war in den vergangenen sechs
Jahren fast zweit Dutzend Mal in Fernseh- und Kinofilmen
zu sehen und bewies eine Vielseitigkeit, die man dem grazilen
Mädchen, das auch heute noch glaubhaft eine Schülerin
abgeben könnte, kaum zutraut.
Ihren rumänischen Familiennamen legte "Alex"
auf Anraten ihrer Agentin nach "Mensch, Pia!"
ab. Dagegen wehrten sich zunächst nicht etwa ihre
Eltern, sondern sie selbst. Nach langen Abenden wurde
aus Alexandra Platareanu schließlich Alexandra Maria
Lara. Heute kann sie gut damit leben: "Es ist meine
zweite Identität, gut fürs eigene Gefühl.''
Und klingt schon ganz international.
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