Ein Chamäleon unter den Schauspielerinnen

Die wandlungsfähige Alexandra Maria Lara startet mit dem Vierteiler "Napoleon"
ihre internationale Karriere

Barbara Jänichen, Die Welt,
07.01.2003

"Ich bin wahnsinnig Stolz. Nie hätte ich gedacht, dass unsere Tochter eine so große Karriere macht. Glücklich bin ich natürlich auch darüber, dass sie trotz des Erfolges so bescheiden geblieben ist", sagt Valentin Platareanu, Vater von Schauspielerin Alexandra Maria Lara (24), die jetzt von Berlin aus die internationale Film- und Fernsehwelt erobert.

Seit gestern Abend läuft der ZDF-Vierteiler "Napoleon" wo sie an der Seite von Weltstars wie Gérard Depardieu, Isabelle Rossellini, Christian Clavier, John Malkovitch und Heino Ferch
zu sehen ist. Alexandra verkörpert die Rolle der polnischen Gräfin Marie Walewska, einst eine Paraderolle von Greta Garbo. Die Premiere in Paris war ein großes Ereignis.

Ebenfalls im ZDF läuft der zweiteilige Liebesfilm "Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone" (Ausstrahlung am 9. und 10. Februar), mit Ben Becker, Hannes Jaenicke und Matthias Habich, in dem die 24-Jährige Prinzessin Anna Amalia, die Schwester des Preußenkönigs. Friedrich II., spielt.

Ganz anders als in diesen historischen Verfilmungen mit prächtigen Kostümen und Perücken zeigte sich die wandelbare Alexandra auf der Kinoleinwand in Doris Dörries Film "Nackt", der im Herbst 2002 bei den Filmfestspielen in Venedig beeindruckte. Von ihrer Wandlungsfähigkeit ist auch ihr Vater fasziniert, vergleicht die Tochter mit einem
Chamäleon, "die ein einmaliges Talent hat, in ihre jeweiligen Rollen zu schlüpfen".

Der gebürtige Rumäne Platareanu, der in seiner Heimat zu den gefragtesten Bühnenstars zählte und zuletzt Direktor des Bukarester Teatrul de Comedie war, baute in Berlin die staatlich anerkannte Schauspielschule "Theaterwerkstatt - Charlottenburg" auf.
Dort machte auch Alexandra nach dem Abitur ihre dreijährige Ausbildung. Obwohl sie damals (1997) bereits ein Fernseh-Serienstar war ("Mensch, Pia!"), gab sie sich beim Unterricht als "die einfache Studentin wie alle anderen", erinnert sich der Vater.
Er hofft, dass sie den Bezug zur Bühne nicht ganz verliert, trotz aller lukrativen Film und Fernsehangebote auch Theater spielt, und träumt von einer Inszenierung mit ihr in der Titelrolle der "Kameliendame".
Der Kontakt zum Elternhaus (die Mutter ist Sprachwissenschaftlerin) ist herzlich, wenn die Zeit zum Besuch in Charlottenburg nicht reicht, glühen die Telefondrähte. Vielleicht hängt
das Trio so aneinander, weil die kleine Familie einen schweren Weg gegangen ist:
Als Alexandra knapp vier Jahre alt war, flüchteten die Eltern mit ihr in den Westen, landeten
in Berlin. "Eigentlich wollten wir nach Kanada. Aber die Menschen hier nahmen uns so herzlich auf, dass wir geblieben sind", sagt Valentin Platareanu, der als Schauspieler wegen seines Akzents meist Ausländer spielt, wie den Ganoven in dem Kinofilm "Berlin Is In Germany".
An der Schauspielschule ist sein Akzent kein Problem. Ich bin Lehrer für Gefühle, nicht für Sprache".
Das große Talent, wiegelt er bescheiden ab, habe sie nicht von ihm.
"Das kann man nicht vergeben oder verschenken. Das hat man einfach. Wir konnten das Talent nur hegen und pflegen." Was er gerne bestätigt: "Die Schönheit hat sie von ihrer Mutter geerbt."